Montag, 14. August 2017

Ein neues Haustier und Buchempfehlung

Es ist ziemlich klein, das neue Haustier und wird auch nicht mehr größer. Es saß fast den ganzen sonnigen Nachmittag mit auf der Terrasse. Farbe Rotbraun.
Nein, ich bin jetzt nicht auf den Hund gekommen und leider ist es weder Katze noch Hase.

Seit einiger Zeit steht eine neue Rispenhortensie mit dem Namen 'Honiggruß' auf meiner Terrasse. Zum Einpflanzen hatte ich noch keine Lust und so kann ich viel besser beobachten, ob es stimmt, dass mit den Blüten Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten gelockt werden können. Ihre champagnerweißen Blüten versprühen einen süßlichen Duft.
Bisher flatterte es dort nicht mehr, als an anderen Blüten im Garten. Seit kurzem sind die Blüten jedoch etwas mehr geöffnet und schon hat sich mein neues Haustier eingestellt. Gerade richtig, um das neue Makro-Objektiv auszuprobieren.
So sieht man ganz deutlich, dass am oberen Flügel ein kleines Viereck fehlt. Ein abgeflogenes Rotbraunes Ochsenauge, Pyronia tithonus.




Am Sommerflieder ist nach wie vor Flaute, aber den Kleinen habe ich hier schon häufig herumflattern sehen. Ochsenaugen leben bevorzugt an Waldsäumen und Sandkiefernwäldern, regional auf Brachen und Böschungen im Offenland. Nektar suchen sie in angrenzenden blumenreichen Wiesen. Das trifft auf unsere Gegend wirklich zu.




Da ich in Freiberg nie ein Ochsenauge im Garten hatte, war die Unterscheidung der verschiedenen Arten für mich nicht ganz einfach. Seit kurzem darf ich allerdings ein Bestimmungsbuch zur Hand nehmen. 

Typisch für das Rotbraune Ochsenauge sind die doppelt gekernten Augen an der Unterseite und Oberseite der Vorderflügel. Um sicher zu sein, ist es immer wichtig auch einen Blick auf die Oberseite der Flügel zu erwischen. Dann sieht man sogar, ob es ein Männchen oder Weibchen ist.





Rispenhortensie Honiggruß




Das Ochsenauge konnte sich wirklich nicht von diesen Blüten trennen...nur kurz flog es eine Etage höher...wahrscheinlch war ihm das ganze Geknippse auf die Nerven gegangen.









Dan kam es aber immer wieder zurück. Immer noch das selbe Ochsenauge...






Das Ochsenauge mag Blüten, wie die Acker-Kratzdistel, Dost, Thymian, Wiesen-Bärenklau, Greiskraut-Arten, Glockenblumen, Wasserdost, Sonnenhut usw.

Die Raupen benötigen verschiedene Gräser. Das Rotbraune Ochsenauge ist laut Roter Liste nicht 
gefährdet. Die Falter fliegen in einer Generation von Juni bis Anfang September. Die Raupen überwintern.


Ein Bruder flog im Juli auf das Eisenkraut Verbena bonariensis

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Falls ihr noch ein gute Bestimmungsbuch für Tagfalter sucht, kann ich dazu folgendes Buch empfehlen:



ISBN: 9783-3-8001-8332-6
16,90 €

Dort gibt es am Ende des Buches über 700 Abbildungen der verschiedenen Arten von heimischen, außeralpinen Tagfaltern mit genauen Beschreibungen, auf welche Merkmale zur Unterscheidung zu achten sind. Ergänzt immer durch eine Abbildung der zugehörigen Raupe und der Eier. Von jedem Schmetterling gibt es eine Abbildung von Ober- und Unterseite und die Unterscheidung in männlich oder weiblich.

Hat man seinen Schmetterling gefunden verweist die Seitenzahl zur ausführlichen Beschreibung im Hauptteil des Buches. Dort kann man dann alles über Merkmale, Lebensraum, Nektar- und Raupenfutterpflanzen nachlesen und ob die Art gefährdet ist. Eine Tabelle gibt Auskunft über die verschiedenen Entwicklungsstadien Raupe, Puppe, Falter. In einer kleinen Deutschlandkarte sieht man, wo die Art vorkommt.

Am Ende des Buches werden noch mal detailliert die wichtigsten Raupenwirtspflanzen beschrieben.

Das Buch enthält durchweg wunderschöne Aufnahmen der Tagfalter Deutschlands mit ansprechenden Makro-Fotos. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit von 5 Tagfalterexperten. Der Autor Prof. Dr. Josef Settle arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Roland Steiner ist Biologe und befasst sich mit Tagfaltern und Makrofotografie.

Es ist ein leichtes, handliches Buch, dass man gut ins Reisegepäck stecken kann oder in den Wanderrucksack. 

Das Buch wird u.a. empfohlen von der GfS, der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz

Anmerkung: Wenn das Buch über diesen Link bestellt wird, erhalte ich eine kleine Provision. Ich biete diese Links nur bei Büchern und Produkten an die ich empfehle und selbst gelesen oder benutzt habe. Ich mache keine Gefälligkeitsrezensionen. Links zu Büchern und Produkten von denen ich nicht überzeugt bin, biete ich nicht an. Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Alle Rechte des Coverfotos liegen beim Verlag.


Mittwoch, 9. August 2017

Radweg nach Erlangen - Dechsendorfer Weiher

Normalerweise nehme ich das Auto, um schnell in die Stadt zu kommen. Wenn ich ganz viel Zeit habe, geht es aber auch per Rad. Oder der Sohnemann bekommt Ferienbesuch aus Sachsen, der auch noch mit F*ixbus und Fahrrad anreist. 
Am letzten Freitag ging der Ausflug also mit dem Rad in die Stadt, damit sich der Aufwand lohnt. Erst ein Besuch der Joghurtbar, dem Lieblingseisladen von Erlangen und dann zurück zum neu renovierten Freibad West und dem Mini-Golfplatz. Dafür gibt es Rabatt mit dem Ferienpass...eine prima Sache.

Der Mann fährt den Radweg fast täglich...das sind zweimal 15 km insgesamt.  Er würde es nicht machen, wenn es nicht so herrlich durch die Natur gehen würde. Entspannung pur nach einem anstrengenden Arbeitstag.



Nach den ersten zwanzig Minuten durch den Wald und entlang einiger Weiher kommt man am Großen Dechsendorfer Weiher (Bischofsweiher) an. Einige segeln, andere trampeln mit dem Tretboot über den See oder genießen einfach nur die Natur bei einer Wanderung um den See.  Nur Baden klappt gerade wieder nicht mehr. Braunalgenprobleme schon seit Jahren. Aber nach einigen teueren Umbaumaßnahmen soll es langfristig besser werden.
Es gibt einen Zeltplatz mit vielen Holländischen Wohnwagen. Schön, wenn man dort wohnt, wo andere Urlaub machen...:-)



Der Wind war an diesem Tag etwas heftig...nicht so toll zum Radeln....offenbar ideales Segelwetter.




Die Schwanenfamilie blieb davon unbeeindruckt. Papa Schwan hatte allerdings Bedenken, als ich mich näherte....


Reger Flugverkehr herrscht hier, der aber keinen Lärm verursacht....:-)

Die Blutrote Heidelibelle trifft man öfters und wenn man Glück hat, landet sie sogar auf den Finger





Hinter Dechsendorf fährt man nochmal ein kurzes Stück durch den Wald und an Wiesen vorbei, bis man zum Main-Donau-Kanal kommt, der den Erlanger Stadtteil Büchenbach trennt vom eigentlichen  Erlangen. Dieses Abgetrenntsein hat mich immer davon abgehalten, dort hin zu ziehen obwohl es die Chance gab, im großen Neubaugebiet zu wohnen. 

Radweg, Straße, Main-Donau-Kanal

Dieses kurze Stück ist also weniger hübsch...trotzdem voller Wildstauden und Wiesenblumen entlang des Kanals und auch auf der Waldseite am Straßenrand. 

Karden in Weiß als Waldrandbewohner...meistens sind sie Lila. Das fällt sofort auf. 

Die weiße Karde nennt sich Schlitzblatt-Karde (Dipsacus laciniatus) und gehört eigentlich nach Österreich. In Deutschland gilt sie als Neophyt.





Weiße Karde

Auch hier muss ich schnell vom Fahrrad springen...eine Hauhechel habe ich bisher nur auf Fotos gesehen. Sie hatte allerdings keine Dornen, also nicht die Dornige Hauhechel, sondern wahrscheinlich die Kriechende Hauhechel (Ononis repens). 
Falls ich dran denke, würde ich ja gerne später Samen davon ernten. Die Hauhechel ist ein toller Magnet für Bienen und Hummeln und sieht auch noch hübsch aus.

Kriechende Hauhechel

Die Jungs warten inzwischen auf der Brücke und können sich schon denken, wo ich abgeblieben war....




So langweilig ist das aber auch nicht. Regelmäßig kommen hier große Schlepper vorbei.



Nach der langen Radfahrt ist das Eis in der Joghurtbar eine sehr willkommene Pause.
Am Nachbartisch wird rege diskutiert, welche Soßen am besten schmecken. Bei mir gab es Erdbeer- und Mango-Sauce mit Schokosträuseln. 
UK 15 in Erlangen, falls ihr mal dort seid. Die Untere Karlstraße ist die 'Fressmeile' und der Ort für Begegnungen aller Art.

Begegnungen in der Joghurtbar

Im Buchladen wird noch ein Geschenk besorgt, denn gleich zwei Jungs aus Freiberg haben Einschulung, die wir am Wochenende besucht haben. Dann geht es in Richtung Freibad West.
Die Jungs bleiben dort und dürfen den Rückweg alleine antreten. Ich verlasse mich drauf dass der Sohnemann den Weg inzwischen kennt und der Freund den Akku am Handy geladen hat, falls die Navigation benötigt wird.
Das war auch gut so, denn den Weg vom Freibad zum Kanal kannte der Sohnemann tatsächlich nicht.

Auf dem Rückweg alleine nehme ich mir mehr Zeit und schaue mir die Wildnis am Kanal an.
Auf der Wiese ein Grüppchen mit Seifenkraut, am Ufer viel Kanadische Goldrute und Schilf.


Invasiver Neophyt - die Kanadische Goldrute am Ufer



Der Radweg ist hier nicht asphaltiert, nur geschottert. Viele Wilde Möhren, Luzerne und Schafgarbe.



Das Gelbe gehört zum giftigen Jakobs-Kreuzkraut oder Greiskraut.....sieht aber hübsch aus, neben der lila Luzerne. Hier schadet es ja nicht, denn Tiere grasen nicht auf den Randstreifen. 
Allerdings sind sogar Vögel gefährdet, die auf Kreuzkraut lebende Insekten fressen. Offenbar fehlt bei dieser Pflanze der natürliche Instinkt der Tiere, manche Sachen nicht zu fressen, die nicht gut für sie sind.
Für den Menschen ist es dann gefährlich, wenn es noch nicht blühtt, da es leicht mit Rukola verwechselt werden kann.

Jakobs-Kreuzkraut neben Luzerne

Thymian


Beeindruckend die riesige Minzeart. 
Es müsste die Ross-Minze sein (Mentha longifolia), eine alte, wild wachsende Minzsorte, die über einen Meter groß wird.





Hier die Roß-Minze mit einem mir unbekannten roten Flugobjekt....


In der Nähe wächst die Heilpflanze Wolfsfuß oder auch Wolfstrapp  (Lycopus virginicus), mit Heilwirkung bei Schilddrüsenproblemen

Links: Wolfstrapp


Kurz vor dem Weiher auf einer Wiese entdeckt...Unmengen an Wiesen-Storchschnabel.

Eine Pflanze blieb mir eine Unbekannte..vielleicht kennt sie jemand?
Ein Hellerkraut vielleicht, aber es fehlen die Heller....

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Vielen Dank an alle fürs Bestimmen!

Einstimmig wurde das Kraut zur Graukresse erklärt.





Naturdonnerstag bei Ghislana/ Jahreszeitenbriefe

Donnerstag, 3. August 2017

Aus dem Tal der Wiesent zum Pfaffenstein

Noch einmal wollten wir das schöne Juliwetter nutzen und nach einem ausgiebigen Gewitterguss der vorhergehenden Nacht einen Wanderweg nehmen, den wir schon oft gegangen sind. Das erste mal zwei Tage vor dem schrecklichen Datum 9/11, dem Dienstag, an dem der große Sohn seinen ersten Schultag hatte. Das prägt sich besonders ein, denn sonst könnte ich das nicht mehr sagen, da ich noch nie ein Tagebuch geführt habe. 

Wir starten in Behringersmühle, am Gasthof und überqueren die Wiesent, auf der ein Paddler nach dem anderen vorbeikommt. Es ist noch sehr feucht am Morgen und der Schatten im Wald ist wunderbar, denn der Anstieg zum Pfaffenstein ist nicht so leichtfüßig zu bewältigen. 



Wir lassen also das Tal der Wiesent unter uns und steigen erst an Wasserdost und vielen Schnecken aller Art vorbei,



bis wir die Hohe der Frankenjura erreichen. Oben scheint auch wieder die Sonne und da es Juli ist - ich hatte es ja sehr gehofft - flattern die Schmetterlinge wild herum. 

Hier muss ich jetzt wieder sagen, es sind keine sehr hochwertigen Fotos, aber mir ist es wichtiger, wenigstens den Falter so zu fotografieren, dass man das Muster erkennen kann, damit ich zu Hause dann nachschauen kann, welcher Falter es ist. Ich glaube, das nächste mal werde ich aber trotzdem die große Kamera mit Zoomobjektiv mitnehmen. Denn die Falter mögen es gar nicht, wenn man so dicht heran geht. Und digitaler Zoom ist nur eine Notlösung.



Als erstes entdecke ich einen (weiblichen) Kaisermantel, der sich schließlich auf den Blüten des Wilden Dost Origanum vulgare/ niederlässt. Ein großer Schmetterlingsmagnet auch im Garten. Also....ich hab ihn und weiß, dass er sich bei vielen Bloggern fleißig vermehrt...:-)



Die folgenden lila Blüten sind zwar ähnlich, gehören aber nicht zum Dost. Kennt ihr sie?


Blütenreichtum wird immer belohnt.....

Entlang des sonnigen Weges blüht es auch gelb und es ist nicht das Habichtskraut, sondern der Raue Alant....würde ich sagen.


Noch mal ein abgeknicktes Blümchen aus der Nähe....
Da ich inzwischen zwar ein Schmetterlingsbestimmungsbuch habe, aber keins für Pflanzen, helfe ich mir meistens mit den Zeichnungen, die Wikipedia auswirft. Die sind sehr anschaulich. Man muss dann aber schon eine Vermutung haben, sonst nützt es nichts.



Auf dem letzten steilen Anstieg zum Pfaffenstein, sonnst sich auf den Steinen ganz oben ein Kleiner Perlmuttfalter. 
Manchmal möchte man auch lieber fliegen können.....:-)


Dann steigen wir wieder herunter, nachdem wir den 5-Täler-Blick nur ahnen konnten....oben waren riesige Haselnussbüsche gewachsen.
Der sonnige Weg, geht nun nicht mehr am Waldrand entlang. Er führt geradewegs zum Dorf Moritz, wo uns der schattige Biergarten erwartet. Davor kommen aber noch ein paar Streuobstwiesen und zwischen Weg und Obstbäumen blüht es wunderbar. 

Hier tummeln sich gleich mehrere Arten von Faltern.

Der C-Falter



Schornsteinfeger oder Brauner Waldvogel


Ein Bläuling am gelben Hornklee. Falls ihr ihn kennt, bitte sagen, welche Sorte es ist. Ich habe gerade nicht so viel Zeit, um ihn zu suchen.


Und ein Bläuling auch mal aufgeklappt...

Ergänzung: Es ist mit Sicherheit ein Feuerfalter, der zu den Bläulingen gehört.
Nur welcher....
Arti hat herausgefunden, dass es der Braune Feuerfalter (männlich) sein müsste.



Und hier eine Sache, die mir ganz sehr aufgefallen ist. So sieht der Original-Schauplatz der Falterversammlung aus. Sonnige Böschung mit Blüten und ungemähter Wiese.


Gegenüber der erste Garten im Dorf. Durchaus sehr blütenreich, aber ich sehe dort keinen einzigen Schmetterling, nicht mal am Sommerflieder.
Ganz klar, was die Leibspeise der Falter ist....sie mögen es bevorzugt einheimisch, wenn sie die Wahl haben.

Blütenreich, aber trotzdem Falterlos

Nach einer Stärkung geht es wieder bergab in Richtung Behringersmühle und wir genießen noch mal die Aussicht von ganz oben. 


Da ist der kleine Bläuling wohl gleich mitgewandert....oder besser mitgeflogen...überall am Dost flattert es.


Die Witwenblumen haben heute mehr Hummelbesuch...


Dann fliegt noch ein seltener Gast zum Saugen an die Kratzdistel, das Landkärtchen der Sommergeneration.


Diesmal warten die Männer (noch) geduldig auf der Bank am Häuschen



Die Wiesen dort oben sind einfach  Wohlfühloasen für Falter.





Ochsenauge an der Flockenblume



Am Ende der Wanderung gönnen wir uns noch ein Eis im Café an der Wiesent.


Naturdonnerstag bei Ghislana/ Jahreszeitenbriefe